Der „Glückspilz-Glücksbaum“

Das Jahr 2020 ist geprägt von einer Pandemie…aber zu all dem Übel und den negativen und existenziellen Auswirkungen, birgt sie doch eine große Chance…denn wir entwickeln eine Kreativität und Flexibilität, die wir so vielleicht nicht kannten. Im Oberlin-Kindergarten hat es uns (Eltern, Kinder und Team) zudem noch näher zusammenrücken lassen.

Und noch etwas lässt sich zur Zeit im Kindergarten-Alltag spüren: es ist eine besondere Stimmung im Haus, es lässt sich nicht greifen, aber es ist anders. Vielleicht liegt es auch daran, dass in den Gruppen Vorschulwochen gefeiert werden, in denen die Kinder täglich mit speziellen Angeboten überrascht werden und die KollegInnen alles tun, um den Kindern die Zeit unvergesslich zu machen. Viele Ideen, die von den Kindern kommen, werden gerne aufgegriffen, wie z.B. Picknick, Kinotag mit Popcorn oder Hawaiiparty.

Dies sollte sie ein wenig dafür entschädigen, dass sie seit Jahren auf IHR Sommerfest und IHREN Vorschulausflug hin gefiebert hatten und nun nicht leer ausgehen sollten. Letztes Jahr hatten sie schon gehofft:

„Nächstes Jahr sind wir endlich dran!“

Doch weit gefehlt…bis vor einigen Wochen wussten wir nicht einmal, ob wir unsere Vorschüler überhaupt noch einmal im Kindergarten wiedersehen würden.

Schon in der Lockdown-Phase, in der wir uns intensiv über Möglichkeiten austauschten, wie wir unsere Familien, vor allem unsere Kinder erreichen können, überlegten wir uns dabei auch verschiedene Alternativen, um die Vorschüler gebührend zu verabschieden. Wir erarbeiteten dabei immer drei Pläne:

PlanA…wenn Pandemie, bzw. Gegebenheiten gleich bleiben

PlanB..wenn Gegebenheiten schlimmer werden

PlanC…wenn Gegebenheiten besser werden

Es ist sehr spannend, vor allem, da wir die Vorschüler der verschiedenen Gruppen nicht untermischen dürfen. Wir grübelten darüber nach, was wir den Kindern zum Abschied mit auf den Weg geben können, das sie nicht mehr vergessen werden und so besonders ist wie sie.

Wir entschieden einstimmig, einen Baum für sie zu pflanzen. Dieser Baum sollte so platziert in unserem Vorgarten stehen, dass sie ihn auf ihrem Schulweg immer sehen können.

 

Doch es sollte nicht irgendein Baum sein, den wir einfach so pflanzen wollten, es sollte etwas Außergewöhnliches sein mit einer dazugehörigen Geschichte, die die Kinder immer erinnern sollte. Unsere Haus- und Hof-Gärtnerin, Daniela Grünwald, unterstütze uns bei diesem Vorhaben und so fiel unsere Wahl auf eine „syringa vulgaris beauty of moscow“, einen wunderschöner Edelflieder.

 

Wir wären nicht der Oberlin, wenn es das schon gewesen wäre…Nein… Zwei Wochen vor der „Pflanz-Zeremonie“ begannen die ErzieherInnen mit den Kindern das Thema „Vorschulbaum “ zu erarbeiten und einen Namen für ihn zu finden. So durften sie alle Ideen einbringen, über die dann in verschiedenen Wahlgängen sehr demokratisch abgestimmt wurde. Das Rennen machte am Ende der Name: „Glückspilzglücksbaum.“

Zur gleichen Zeit schrieb eine Kollegin eine Geschichte für die Vorschüler über spezielle Feen und Elfen, die im Glückspilz-Glücksbaum wohnen und Kindern zur Einschulung Wünsche erfüllen und Ängste nehmen, wenn diese drei davon auf einen Zettel schreiben oder malen und an ihn hängen. Eigens dafür hatten die ErzieherInnen mit jedem Vorschulkind eine kleine Schultüte gebastelt, in die die Zettelchen kamen.

Am Mittwoch, 22.07.2020 war es dann soweit, die Zeremonie konnte endlich beginnen.

Spannung lag in der Luft. Draußen war bereits ein großes Loch ausgehoben und  für vier Gruppen, natürlich mit gebührend Abstand, Bänkchen daran gestellt worden. Alle Vorschüler kamen nun sehr aufgeregt in den Vorgarten und warteten gespannt, was kommen sollte.

Wir begrüßten sie herzlich und erzählten ihnen, dass jetzt speziell für sie dieser Baum, namens Glückspilz-Glücksbaum gepflanzt würde und sie dann ihre Wünsche an den Zaun neben den Baum hängen dürften (der Baum sei noch etwas zu jung und zu schwach), um morgen nachzusehen, ob die Feen die Post abgeholt hätten.

Pfarrerin Eva Leonhardt segnete die Kinder und Leiterin, Cornelia Görres gab jedem Kind einen Zauber-Mutmach-Glücksstein mit auf den Weg. Dann ließen wir das Fest mit Kinderpunsch ausklingen.

Am nächsten Morgen fanden die Kinder überall um den Baum Feen-Staub und die Schultüten hingen entleert am Zaun. Dafür hatten die Elfen jedem Kind einen Brief hinterlassen.

„It was magic“